Jedes Feld, jede Wiese und jedes Stück Wald rund um Senetářov hat seinen eigenen Namen. Auf Karten sucht man sie meist vergeblich, denn sie wurden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Aufgeschrieben hat sie der Einheimische Alois Zukal in seinem Buch „Historie Senetářova“ (Geschichte von Senetářov); in Mundartform verzeichnet sie auch das Slovník pomístních jmen na Moravě a ve Slezsku (Wörterbuch der Flurnamen in Mähren und Schlesien) des Tschechischen Sprachinstituts. Aus den Namen lässt sich herauslesen, wovon die Menschen hier lebten (Lehmziegel, Perlmuttknöpfe, Holzkohle), wo Grenzen verliefen und wovor sie sich fürchteten: Auf dem Kojál soll bis heute der Kojálovský umherlaufen, der zu Lebzeiten Grenzsteine versetzte.

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Sei gegrüßt, du Heimatdörfchen, von den Ahnen erbaut unter dem Kojál, mit jedem Morgen wirst du schöner.

— Alois Zukal, Vesnička Senetářov (Das Dörfchen Senetářov)

Flurnamen sind die älteste Landkarte überhaupt. Bevor es Katasterkarten und GPS gab, verständigte man sich so: „Ich gehe auf die bařina mähen“, „Wir treffen uns ho kamenýho kříža“. Die meisten dieser Namen verschwinden heute mit den älteren Generationen. In Senetářov, wo ich aufgewachsen bin, hat sie zum Glück jemand noch rechtzeitig festgehalten.

Warum man hier „Ho“ sagt

Wer den hiesigen Dialekt nicht kennt, stutzt schon beim ersten Namen: Ho tihelně, Ho kamenýho kříža, Ho Huberta. „Ho“ bedeutet hier „bei“ (tschechisch „u“). Ho tihelně heißt also „bei der Ziegelei“, ho kamenýho kříže „beim steinernen Kreuz“. Ähnlich steht „ó“ statt „ou“ (Za fabrikó, Na dlóhéch honech) oder „tihla“ statt „cihla“ (Ziegel). Das ist die ganz gewöhnliche Mundart der Drahaner Hochfläche, und in den Flurnamen hat sie sich am besten erhalten.

Namen, die von Arbeit erzählen

Der Boden auf der Hochfläche oberhalb des Karsts war karg, von der Landwirtschaft allein konnten die Menschen nicht leben. Die Flurnamen zeigen, womit sie sich etwas dazuverdienten:

Namen mit Sage

Namen mit Aussicht

Wald, Wiesen und deutsche Spuren

Häufige Fragen

Was sind Flurnamen? Volkstümliche Namen von Feldern, Wiesen, Wäldern, Wegen und Hügeln, die in der Alltagssprache gebräuchlich waren. Auf amtlichen Karten fehlen sie oft, und sie wurden mündlich überliefert.

Was bedeutet „Ho“ in Namen wie Ho tihelně? In der örtlichen Mundart „bei“ (tschechisch „u“). Ho tihelně bedeutet „bei der Ziegelei“.

Wo findet man die Flurnamen von Senetářov? In Alois Zukals Buch „Historie Senetářova“ (1994, erweiterte Ausgabe 1999) und in Mundartform im „Slovník pomístních jmen na Moravě a ve Slezsku“ des Tschechischen Sprachinstituts der Akademie der Wissenschaften (Ústav pro jazyk český AV ČR), das online frei zugänglich ist.

Wer ist der Kojálovský? Eine Sagengestalt aus den Dörfern rund um den Kojál. Zu Lebzeiten versetzte er Grenzsteine, und zur Strafe muss er nach seinem Tod auf dem Kojál umherlaufen.


Mehr Geschichten aus meinem Heimatort: Die Kirche des hl. Josef in Senetářov. Die Serie Verborgene Geschichten des Mährischen Karsts. Was es im Ort zu sehen gibt und wo man übernachten kann: Senetářov. Quellen: Zukal, A.: Historie Senetářova (1994, erweiterte Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Senetářov 1999), Kapitel über die Ortsnamen; Zukal, A.: Vesnička Senetářov (Gedicht, zitiert ist die Eingangsstrophe); Slovník pomístních jmen na Moravě a ve Slezsku, obec Senetářov, Ústav pro jazyk český AV ČR; Vysílač Kojál (Wikipedia); Broschüre des DSO Moravský kras, Ortsprofil Senetářov.

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