Karel Vítězslav Absolon wurde am 16. Juni 1877 in Boskovice geboren, 2027 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Er war ein Enkel von Jindřich Wankel und begann als Zoologe, der in den Sloup-Höhlen Höhleninsekten sammelte. Für den Mährischen Karst hat er mehr getan als jeder andere: Er gab ihm als Erster den Namen Mährischer Karst, seine Expeditionen entdeckten 1909 den trockenen Teil der Punkva-Höhlen (Punkevní jeskyně) und die Fortsetzung der Katharinenhöhle (Kateřinská jeskyně), und seit 1933 fährt man dank ihm in Booten auf der unterirdischen Punkva. Außerdem leitete er die Grabungen in Dolní Věstonice, wo 1925 die Venus von Dolní Věstonice gefunden wurde. Er war ein hervorragender Organisator und Werber in eigener Sache, aber auch starrköpfig und gegenüber Kritik unduldsam, und seine Methoden wirken heute rabiat. Er starb am 6. Oktober 1960 in Brünn. Sein Arbeitszimmer können Sie im Anthropos-Pavillon in Brünn besichtigen.
SCHNELLZUGRIFF 👦 Wankels Enkel · 🕳️ Macocha und Punkva · 🗿 Venus von Dolní Věstonice · ⚖️ Wie er war · 📉 Das Ende der Karriere · 🧭 Auf Absolons Spuren · ❓ Häufige Fragen
Wer mit dem Boot durch die Punkva-Höhlen fährt, folgt einem Weg, den ein einziger Mann ausbrechen ließ. Absolon war weder der Erste, der sich in die Macocha abseilte, noch der Letzte, der im Karst etwas entdeckte. Er war aber der Erste, dem es gelang, Geld, Arbeiter, Journalisten und Politiker zusammenzubringen und aus den Höhlen etwas zu machen, worüber man sogar in London schrieb. Hier ist seine Geschichte, mit ihren Verdiensten und ihren Schattenseiten.
Wankels Enkel, der bei den Käfern anfing
Absolon wurde in Boskovice als Sohn von Vilibald Absolon und Karolína geboren, einer Tochter von Jindřich Wankel, dem Arzt aus Blansko und Begründer der mährischen Archäologie. Schon als Junge begleitete er seinen Großvater zu Grabungen. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1882 zog die Familie nach Olmütz.
Er besuchte das Gymnasium in Brünn und studierte Zoologie in Prag. Zu den Höhlen führte ihn nicht die Archäologie, sondern die Tierwelt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts stieg er in die Sloup-Höhlen (Sloupské jeskyně) und sammelte dort Höhleninsekten, wobei er nebenbei neue Räume entdeckte. Seine ersten Arbeiten aus den Jahren 1899 und 1900 handeln von der Höhlenfauna und vom unteren Stockwerk der Sloup-Höhlen. Bis heute trägt ein winziger Wurm seinen Namen, Bythonomus absoloni, der nirgendwo sonst auf der Welt vorkommt und vom Grund der Macocha beschrieben wurde, siehe Tiere im Mährischen Karst.
1907 habilitierte er sich als Dozent für Physische Geographie, ein Jahr später wurde er Kustos der zoologischen Sammlungen des Mährischen Landesmuseums in Brünn.
Die Macocha und die unterirdische Punkva
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann er, die Landschaft Mährischer Karst zu nennen. Bis dahin hieß sie Mährische Schweiz. Das Wort Karst entlehnte er vom serbischen Geografen Jovan Cvijić.
Seit 1899 beschäftigte ihn vor allem eine Frage: Wohin fließt die Punkva zwischen dem Grund der Macocha und der Stelle, an der sie an die Oberfläche tritt? In den Jahren 1901, 1903, 1905 und 1907 leitete er mehrtägige Expeditionen in die Macocha. 1909 machte sein Team bei der Erkundung des trockenen Teils der heutigen Punkva-Höhlen die ersten Entdeckungen, und fast sofort begann man mit der Erschließung. Im selben Jahr entdeckte seine Expedition auch die Fortsetzung der Katharinenhöhle, die sogenannte Neue Katharinenhöhle.
Seit dem Frühjahr 1914 konnten Besucher die Punkva-Höhlen zu Fuß bis zum Grund der Macocha durchqueren. Absolon genügte das jedoch nicht, er wollte einen Weg auf dem Wasser. 1929 gelang es, mit einem künstlichen Stollen einen Teil des Wassers der Punkva abzuleiten, und nach weiteren Sprengungen wurde am 1. Juli 1933 der Bootsbetrieb aufgenommen. Mehr zu den Höhlen finden Sie in den Artikeln Punkva-Höhlen und Macocha-Abgrund.
Nördlich der Macocha suchte er nach einer weiteren Fortsetzung des unterirdischen Flusses, hatte aber keinen Erfolg. In die heutige Alte Amateurhöhle (Stará Amatérská jeskyně) drangen Höhlenforscher erst 36 Jahre später vor. Den ganzen Weg zur Verbindung von Macocha und Punkva beschreibt der Artikel Verborgene Geschichten des Mährischen Karstes.
Pekárna, Dolní Věstonice und Weltruhm
Mit dem Paläolithikum beschäftigte sich Absolon erst ab 1918, als er im Museum die angekauften Sammlungen von Martin Kříž und Karel Jaroslav Maška ordnete. Dann machte man ihn auf die Fundstelle in Dolní Věstonice aufmerksam, und er erkannte, dass er dort eine Entdeckung von Weltrang machen konnte. Er warb Fördermittel, Sponsoren und Journalisten ein und schrieb über die Grabungen in der Zeitschrift The Illustrated London News.
Am 13. Juli 1925 fand man in Dolní Věstonice die Venus von Dolní Věstonice, eine Keramikfigur einer Frau, die etwa 25.000 bis 29.000 Jahre alt ist. Sie gehört zu den ältesten Keramikfiguren der Welt. Absolon war beim Fund nicht dabei, er hielt sich gerade in Frankreich auf. Die Figur fanden der Arbeiter Josef Seidl und der technische Grabungsleiter Emanuel Dania. Als Entdecker wird bis heute dennoch Absolon bezeichnet, weil er die Grabungen leitete.
Zur selben Zeit, von 1925 bis 1930, ließ er die Höhle Pekárna im Tal der Říčka erforschen, siehe Das Říčka-Tal und die Höhle Pekárna. Persönlich nahm er aber nur selten an den Grabungen teil. In der Pekárna grub vor allem der Lehrer Rudolf Czižek, in Věstonice Dania. Zu seinem fünfzigsten Geburtstag im Jahr 1927 wurde er Professor an der Karls-Universität.
Wie er war
Absolon war ein unermüdlicher Arbeiter mit Talent für Organisation und Werbung. Er konnte die Öffentlichkeit ebenso wie Sponsoren begeistern. Archäologie hatte er jedoch nie studiert, und seine Theorien vertrat er mit unerschütterlicher Gewissheit und Unduldsamkeit. Einige davon erwiesen sich später als falsch, und die tschechischen Archäologen verabschiedeten sich still von ihnen.
Umstritten war er schon zu Lebzeiten. 1912 erschien eine Broschüre mit dem vielsagenden Titel Moravský kras, aneb Dr. Karel Absolon v pravém světle („Der Mährische Karst, oder Dr. Karel Absolon im wahren Licht“), herausgegeben von der Gesellschaft zur Erhaltung der Höhlenschönheiten im Mährischen Karst. Und das Museum von Blansko (Muzeum Blanenska) schreibt in seiner Ausstellung offen, dass der berühmte Professor nicht immer der Erste war und seine Methoden rabiat waren. Die Sprengungen, mit denen die Punkva erschlossen wurde, würden in einem Landschaftsschutzgebiet heute kaum noch genehmigt.
Das Ende der Karriere
Sein größter Traum war ein wissenschaftliches Institut namens Anthropos zur Erforschung des vorgeschichtlichen Menschen. Zu seinen Lebzeiten entstand es nicht. Im November 1938 schickte man ihn in den Ruhestand, und im Protektorat hörte die neue deutsche Museumsleitung nicht mehr auf ihn. Am Kriegsende brannte im Schloss Nikolsburg (Mikulov) ein Teil der Sammlungen des Mährischen Landesmuseums nieder. Die Venus von Dolní Věstonice hatten die Museumsleute zuvor noch zurück nach Brünn gebracht.
Nach dem Krieg kam er zu seinen Projekten nicht mehr zurück. 1948 strich ihn ein Aktionsausschuss aus der Königlich Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften. In seiner Brünner Wohnung empfing er aber weiterhin junge Höhlenforscher und Archäologen, darunter die späteren bekannten Wissenschaftler Jan Jelínek und Karel Valoch. Er starb am 6. Oktober 1960 in Brünn und ist auf dem Zentralfriedhof begraben. Der Anthropos-Pavillon wurde zwei Jahre nach seinem Tod fertiggestellt.
Auf Absolons Spuren
- Punkva-Höhlen: die von ihm durchgesetzte Bootsfahrt auf der Punkva und der Blick vom Grund der Macocha.
- Katharinenhöhle: Die Neue Katharinenhöhle entdeckte seine Expedition 1909.
- Sloup-Šošůvka-Höhlen (Sloupsko-šošůvské jeskyně): Hier begann er als junger Zoologe.
- Höhle Pekárna: frei zugänglich, die Grabungen leitete er von 1925 bis 1930.
- Museum von Blansko: Ausstellung über die Karstforscher von Wankel bis Absolon.
- Anthropos-Pavillon in Brünn: Gedenkstätte für Karel Absolon mit teilweiser Rekonstruktion seines Arbeitszimmers. Er gehört zum Mährischen Landesmuseum.
- Boskovice: seine Geburtsstadt.
Häufige Fragen
Wann wurde Karel Absolon geboren? Am 16. Juni 1877 in Boskovice. 2027 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Er starb am 6. Oktober 1960 in Brünn.
Hat Absolon die Punkva-Höhlen entdeckt? Seine Expedition machte 1909 die ersten Entdeckungen im trockenen Teil der Höhlen, und er setzte anschließend deren Erschließung durch. Die Bootsfahrt auf der Punkva gibt es seit dem 1. Juli 1933.
Hat Absolon die Venus von Dolní Věstonice gefunden? Er leitete die Grabungen in Dolní Věstonice, war beim Fund am 13. Juli 1925 aber nicht dabei. Die Figur fanden Josef Seidl und Emanuel Dania.
Wer hat dem Mährischen Karst seinen Namen gegeben? Absolon, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zuvor nannte man die Gegend Mährische Schweiz.
Wo kann man Absolons Arbeitszimmer sehen? In der Gedenkstätte für Karel Absolon im Anthropos-Pavillon des Mährischen Landesmuseums in Brünn.
Informationen geprüft zum 15. 10. 2026. Quellen: Skořepa, H., Tůma, A.: CHKO Moravský kras šedesátiletá, Živa 6/2016; KAM po Česku 6/2022, S. 8; Wikipedie: Karel Absolon (mit Literatur: M. Oliva, Dolní Věstonice I, MZM 2014; M. Oliva, Profesor Absolon a Němci, Dějiny a současnost 1/2015); Wikipedie: Věstonická venuše; Moravské zemské muzeum: Památník Karla Absolona; Muzeum Blanenska: Obrazy z Moravského Švýcarska.
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