Der Steinbruch Seč bei Rudice ist eine ehemalige Sandgrube, in der bis 1993 Glas- und Gießereisande abgebaut wurden. Die Wände schimmern in Weiß, Gelb, Ocker, Orange und Rot, und viele vergleichen den Ort mit den Regenbogenbergen in Island. Für Geologen ist er das einzige erhaltene Profil der Rudice-Schichten im Mährischen Karst: Sande und Tone aus der Unterkreide, die tiefe Karstsenken im Kalkstein ausgefüllt haben, sogenannte geologische Orgeln. Seit 2022 ist er ein Naturdenkmal. Der Eintritt ist frei, betreten werden darf aber nur der markierte Pfad. An die Steinbruchwände heranzugehen, an den Hängen zu graben und mit der Schaufel nach Geoden zu suchen ist ebenso verboten wie Feuermachen und Zelten. Oberhalb des Steinbruchs gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz der Gemeinde Rudice.
SCHNELLZUGRIFF 🎨 Warum der Steinbruch so bunt ist · 🪨 Rudice-Schichten und Geoden · 🕰️ Zur Geschichte des Abbaus · ⚠️ Regeln · 🚗 Anreise · ❓ Häufige Fragen
Vom Steinbruch Seč wusste man lange vor allem in Rudice. Es war ein Abbaugebiet, das Betreten war verboten, auch wenn die Leute trotzdem hingingen. Seit 2024 ist er für Besucher hergerichtet, mit Lehrtafeln und einem Pfad von oben bis hinunter zum Wasser. Es ist einer der wenigen Orte im Karst, an denen man sieht, was über dem Kalkstein liegt und nicht in ihm.
Warum der Steinbruch so bunt ist
Die Farben stammen von Kaolin und Eisenverbindungen. In den höheren Schichten liegen weiße Quarzsande, daneben rötliche eisenhaltige Sandsteine. Die roten und braunen Schichten in den unteren Wandbereichen verraten, dass dort Eisen enthalten ist.
Der Steinbruch hat laut Medienberichten eine Fläche von etwa 18.000 m². Am Grund liegen kleine Gewässer, in denen Amphibien leben. Die Natur erobert sich den Steinbruch nach dem Ende des Abbaus rasch zurück.
Rudice-Schichten, geologische Orgeln und Geoden
Zu Beginn der Kreidezeit lag die Kalksteinoberfläche frei, und im tropischen Klima entwickelte sich daraus ein Karst mit Felstürmen und tiefen Schlünden. In diese Vertiefungen wurden dann Sande, Tone und Hornsteinbruchstücke eingespült. So entstanden die Rudice-Schichten. Die tiefen Füllungen im Kalkstein nennt man in der Fachsprache geologische Orgeln.
Im Steinbruch Seč ist das laut Verwaltung des Schutzgebiets (Správa CHKO) so gut zu sehen wie sonst nirgends im Karst:
- Das Profil der Rudice-Schichten ist das einzige erhaltene im gesamten Gebiet des Mährischen Karsts.
- Kalksteintürme ragen im südlichen und südöstlichen Teil des Steinbruchs aus den bunten Sanden auf.
- Limonit bildet an der Grenze zum Kalkstein Überzüge und Krusten. Aus den Eisenerzen der Rudice-Schichten wurde hier über Jahrhunderte Eisen geschmolzen.
- Quarzgeoden, hohle Kugeln mit Kristallen im Inneren, finden sich in kaolinisierten Lagen, die als „Běliny” (Bleicherden) bezeichnet werden. Mehr dazu im Artikel Die Geoden von Rudice.
- Fossilien: Im Randbereich des Steinbruchs gibt es Kalksteinaufschlüsse mit Korallen, Stromatoporen und Armfüßern, in den Schichten wurden auch jurassische versteinerte Schwämme gefunden.
Zur Geschichte des Abbaus
Rund um Rudice wurde Eisenerz aus den Rudice-Schichten schon in vorgeschichtlicher Zeit gewonnen, und im 8. und 9. Jahrhundert standen hier große Eisenhütten. Am intensivsten wurde im 18. und 19. Jahrhundert in Schächten von 20 bis 140 Metern Tiefe gefördert, bis 1893 die Lagerstätten erschöpft waren. Danach wurden nur noch Tone und Sande für Keramik, Gießformen und Glas abgebaut. Über das Hüttenwesen in der Umgebung schreibe ich im Artikel Der Eisenkarst.
Seč ist ein Grubensteinbruch für Glas- und Gießereisande. Der Abbau endete hier im Jahr 1993. Die Leute aus der Umgebung holten sich hier lange feinen Sand für Putz. Heute sind die Zufahrten versperrt. Im Jahr 2022 erklärte die AOPK (Naturschutzagentur der Tschechischen Republik) den Steinbruch zum Naturdenkmal Rudice-Seč. Geschützt werden hier nicht nur die Geologie, sondern auch periodische Tümpel, der Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum) und die Rotbauchunke (Bombina bombina). Verwaltet wird der Steinbruch vom Lehrforstbetrieb der Mendel-Universität (Školní lesní podnik Mendelovy univerzity).
Besuchsregeln
Der Steinbruch ist ein Naturdenkmal, und die Naturwacht führt hier Kontrollen durch. Laut der Verwaltung des Schutzgebiets und dem Verwalter des Steinbruchs gilt:
- Nur der markierte Pfad darf betreten werden. Nähern Sie sich weder dem Fuß der Wände noch der oberen Kante, es drohen Erdrutsche. Das Klettern an den Wänden ist verboten.
- Nicht graben. An den Hängen zu scharren und Löcher zu graben ist verboten. Eine frei herumliegende Geode dürfen Sie laut Verwaltung des Schutzgebiets mitnehmen, aber nicht graben und nicht mit der Schaufel suchen. Es drohen Bußgelder.
- Kein Feuer, kein Zelten, keine großen Gruppen.
- Baden und Sandburgenbauen am Grund des Steinbruchs ist laut Verwaltung des Schutzgebiets in Ordnung.
- Hunde sind erlaubt, bitte räumen Sie aber hinter ihnen auf.
- WC gibt es nur auf dem Parkplatz oberhalb des Steinbruchs. Imbisse oder Verkaufsstände wird es hier laut Verwaltung des Schutzgebiets nicht geben, Verpflegung finden Sie in Rudice.
Die allgemeinen Regeln für das Landschaftsschutzgebiet finden Sie im Artikel Regeln im Landschaftsschutzgebiet Mährischer Karst.
Anreise und was sich damit verbinden lässt
- Mit dem Auto: kostenpflichtiger Parkplatz der Gemeinde Rudice oberhalb des Steinbruchs (Parkplatz „U hrušky”, „Bei der Birne”), nordwestlich des Ortes.
- Zu Fuß: Um den Steinbruch führt der Lehrpfad „Rudické doly” (Rudicer Gruben). Vom Parkplatz geht es auf einem hergerichteten Pfad in den Steinbruch hinunter.
- Rudice: Windmühle mit Museum und Informationszentrum, siehe Rudice.
- Das Rudicer Ponor liegt ganz in der Nähe. Es ist ein anderes Schutzgebiet: ein nationales Naturdenkmal, wo der Jedovnický potok (Jedovnitzer Bach) im Untergrund verschwindet.
Häufige Fragen
Ist der Eintritt in den Steinbruch Seč kostenlos? Ja, der Eintritt ist frei. Bezahlt wird nur der Parkplatz der Gemeinde Rudice.
Kann ich im Steinbruch Seč eine Geode finden und mitnehmen? Eine frei herumliegende Geode dürfen Sie mitnehmen. Graben und mit der Schaufel suchen ist verboten.
Darf man im Steinbruch Seč baden? Laut Verwaltung des Schutzgebiets ist Baden am Grund des Steinbruchs in Ordnung. Feuer und Zelten sind verboten.
Warum ist der Steinbruch Seč so bunt? Die Farben stammen von Kaolin und Eisenverbindungen in den Sanden der Rudice-Schichten.
Angaben geprüft zum 13. 10. 2026. Quellen: AOPK ČR, Rozbory CHKO Moravský kras (2017), Lokalität Nr. 44 und Kapitel zum Mineralabbau; L. Slezák, Geologický průvodce Moravským krasem (Rudice-Schichten in der Umgebung von Rudice); Verordnung der AOPK ČR über die Ausweisung des Naturdenkmals Rudice-Seč (2022); Novinky.cz: Lom Seč očekává turisty (4. 12. 2023) und Barevné písky lomu Seč (2. 9. 2024), beide mit Aussagen von Antonín Tůma von der Verwaltung des Schutzgebiets; Kudy z nudy: Lom Seč u Rudice.
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